Archive for Oktober, 2004

Aus Freude am Fahren

“Das Wichtigste transportiert er unter der Motorhaube: Fahrspaß.” Die Rede ist vom BMW 5er Touring, wörtlich zitiert aus der aktuellen Werbekampagne. Das ist doch endlich mal ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Bei allen anderen Autos fährt das Wichtigste nämlich in der Fahrgastzelle mit.

Sonnez les matines

Beim Bayerischen Rundfunk kann man, wenn man wie Bruder Jacob mal wieder verschlafen hat, das 12-Uhr-Läuten zahlreicher bayerischen Kirchen abhören. Fehlt nur noch der Download als Klingelton fürs Handy.

Bild dir deine Religion

So viele tolle Produkte hatte der Springer-Verlag schon unters Volk gebracht: den Volks-PC, die Volks-Kamera, das Volks-Handy, sogar den Volks-Trainer und den Volksfonds. Doch dann starrten sich die Marketingexperten ratlos an: Volksempfänger, Volkstrauertag und Volkswagen gab es schon, nur Volks-Klobürste und Volks-Herzschrittmacher waren noch übrig. Und dann kam die Knaller-Idee: Wir machen die Volksbibel zum Supergünstigpreis von nur 9,95 Euro! Genial. Allerdings fehlt das Tüpfelchen auf dem i: perfekt wäre es gewesen, wenn die Bild-Redaktion den etwas trockenen Bibeltext noch mit ein paar Zwischenüberschriften aufgelockert hätte. Ungefähr so: “Wahnsinn: Schöpfung schon nach einer Woche fertiggestellt!” oder “Verraten, gekreuzigt, auferstanden – Messias lässt sich nicht unterkriegen”. Naja, vielleicht in der nächsten Auflage.

Vom Kurs abgekommen

Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, durfte mit Papis Sonnenwagen mal Probefahren, kam aber mangels Navigationssystem vom Kurs ab und verbrannte im anschließenden Tiefflug ganze Ländereien. Ungefähr so ist es aus der griechischen Mythologie überliefert. Ähnlich Unerfreuliches erlebt Volkswagen mit dem Spitzenmodell Phaeton: das Auto ist ein Ladenhüter. “Wer will denn auch zehntausende von Euro für einen Wagen bezahlen, auf dem dick und breit das VW-Logo prangt”, fragt die Frankfurter Rundschau nicht ohne Spott. Um das Image endgültig zu ruinieren, zahlt Volkswagen jetzt den Händlern in den USA für jeden verkauften Phaeton 10000 USD Prämie. So locker sollte das Geld aber eigentlich nicht sitzen. Schließlich versucht der Konzern gleichzeitig, einen zweijährigen Verzicht der Belegschaft auf Lohn- und Gehaltssteigerungen aushandeln.

Kopieren

fingerabdruck
Heutzutage kann man ja fast alles kopieren,
sogar Fingerabdrücke.

Völkerverständigung

kussWenn Kognitionsforscher Probanden in ein Aquarium schauen lassen und danach zwei unterschiedliche Arten von Beschreibungen bekommen, dann liegt das nicht an der Realität, sondern an der Art des Denkens und daran, dass z.B. Europäer und Chinesen davorstehen.
Hat das Siemens den ICE in China gekostet, fragt DIE ZEIT in Ihrer aktuellen Ausgabe.
Realität und was das Hirn daraus macht.

Und schon Paul Watzlawick hat festgestellt, dass sowohl amerikanische Soldaten als auch englische Mädchen sich gegenseitig des Mangels an sexuellem Taktgefühl und Zurückhaltung bezichtigten, als das Paarungsverhalten ihrer beiden Kulturen untersucht wurde.

Say it in German

Kein Witz: Der (inzwischen abgesetzte) Sat-1 Werbeslogan “powered by emotion” bedeute so viel wie “Kraft durch Freude”, glaubten einige Zuschauer. Die Kölner Namefinding-Agentur Endmark fand in einer Studie heraus, dass große Teile der werberelevanten Zielgruppe gar nicht verstehen, was die Konzerne ihnen mit den englischen Werbeslogans eigentlich mitteilen wollen. Das Douglas-Motto “Come in and find out” wurde von 20 Prozent der Befragten mit “Komm herein und finde wieder heraus” übersetzt. Da drängt sich der Gedanke auf: Schade, dass die Ergebnisse nicht nach West- und Ostdeutschland aufgeschlüsselt sind. Damit in Zukunft niemand mehr die wichtigen Botschaften verpasst, geht der Trend jetzt wieder zu deutschen Slogans wie “Sat 1 zeigts allen”, “Ich liebe es” oder “Lidl ist billig”.

In den Brunnen gefallen

Anlässlich der Stein-Schere-Papier-WM hier der Trost für alle, die als Kind wertvolle Habseligkeiten verloren haben, weil ihre Schere plötzlich in einen Brunnen fiel: Stein, Schere, Papier, basta. So steht es in den Official Rules of RPS Play. “Oft wird dieser Figurensatz fälschlicherweise um den Brunnen erweitert”, lesen wir bei Wikipedia, leider um Jahre zu spät. Der Kumpel, der mit dem Brunnentrick damals das letzte Milky Way einsackte, ist seit langem unbekannt verzogen. Und hat es außerdem bestimmt eh schon aufgegessen. Gottseidank sind wir nicht in Japan aufgewachsen, denn da wird noch grausamer gespielt. Siehe Japanische Gewinnermittlung.

It`s so nice to be rich

Fernsehärztin Antje-Katrin Kühnemann schreibt in ihrer Kolumne für die Neue Apotheken Illustrierte zum Thema Schizophrenie: “Wahnvorstellungen, Stimmen hören, sich verfolgt oder beobachtet fühlen, zu glauben, alle möglichen Signale zu empfangen, all das kann vorkommen.” Verfolgt und beobachtet fühlte sich Frau Doktor auch beim Besuch im Münchner Restaurant Käfer-Schänke: Eine Dame am Nachbartisch störte sich nämlich daran, dass die beiden Kühnemann-Hunde Happy und Beauty ihr Freßchen aus feinen Porzellantellern vom Tisch aßen. Das Käfer-Personal schob dieser Entgleisung aber kurzerhand einen Riegel vor – die Beschwerdeführerin wurde aus dem Lokal entfernt, so dass Happy, Beauty und Antje-Katrin in Ruhe fertig fressen konnten. Glück im Unglück: Sollten die Tiere durch den häßlichen Vorfall seelischen Schaden genommen haben, sind sie bei Frau Kühnemann ja gleich in kompetenten Händen.

Viva Las Vegas

Kaum zu glauben: Nachfolger von Siegfried und Roy im Mirage-Hotel in Las Vegas werden… die Beatles! Von allen makabren Albernheiten, die einem dazu einfallen, nehme ich mal diese hier: Bei John Lennon und George Harrison muss man wenigstens keine Angst haben, dass sie auf offener Bühne von einem Tiger angefallen werden.

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