Archive for November, 2004

Lüge, Meineid, Statistik

Oft müssen wir in diesen Tagen hören oder lesen, dass die deutsche Wirtschaft unter Wachstumsschwäche leidet und dass Deutschland beim Wachstum das Schlusslicht in Europa ist. Die Experten, die das immer von Neuem wiederholen, beziehen sich jedoch stillschweigend auf die prozentualen Werte und vergessen dabei, dass es schon ein Unterschied ist, ob beispielsweise die deutsche oder die slowakische Wirtschaft um 1% wächst. Weil nämlich die zugrunde liegende Werte sehr unterschiedlich sind. 2003 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Slowakei etwa 30 Mrd. EUR – in Deutschland dagegen immerhin etwa 2000 Mrd. EUR. Tja, und so kommt es, dass für die Slowakei 2005 zwar prozentual ein dreimal höheres Wachstum prognostiziert wird als für die Bundesrepublik. Aber das absolute Wachstum ist trotzdem in Deutschland höher: es liegt bei etwa 380 EUR pro Kopf bei uns, und in der Slowakei nur bei 240 EUR. Und wenn die Westerwelles mal an die Macht kommen und ein cooles 5-prozentiges Wirtschaftswachstum in Deutschland organisieren, dann müssen sich die Slowaken ganz schön warm anziehen, um noch mithalten zu können. Wahrscheinlich drücken sie jetzt schon mit uns die Daumen, dass es nicht so weit kommt

Rückenschmerzen

“Menschen im Fernsehen können zu Haustieren werden.” “Herr Eichel, Sie sind für mich eine Büroklammer.” “Im Prinzip lebe ich lieber, als schmerzlos und tot zu sein.” “Wenn ein Mädchen weint, dann weine ich mit.” “Wenn ich der Präsident der Welt wäre, dann würde ich die klügsten Wissenschaftler engagieren, damit sie einen Plan aushecken, die Dunkelheit abzuschaffen.”

Solche und ähnliche Formulierungen darf Franz Josef Wagner von Montag bis Freitag in der Bild-Zeitung veröffentlichen. Wenn ich zur Abwechslung Präsident der Welt wäre, Herr Wagner, ich würde die dümmsten Wissenschaftler engagieren, damit sie einen Plan aushecken, Ihre Rückenschmerzen zu kurieren.

Pass fei auf!

Neulich hat mir mal jemand nicht geglaubt, dass ich aus Franken komme und wollte einen akustischen Beweis: “Sagen Sie doch mal was auf fränkisch!” Die richtige Antwort wäre natürlich gewesen: Allmächd. Fiel mir aber ein paar Sekunden zu spät ein. So schlagfertig sind wir Franken dann halt doch nicht. Und wo wir gerade dabei sind: zu welcher Wortgruppe gehört das fränkische “fei”, das zum Beispiel in “des find ich fei ned” vorkommt? Natürlich zu den Flick- bzw. Würzwörtern – und wer das nicht glaubt, liest es hier nach.

Die Rettung

69Seit sich das rot-grüne Regime an die Macht geputscht hat, demütigen Schröder und Fischer die Ossis, vernachlässigen das Großkapital und ruinieren das Ansehen der Deutschen in der Welt. Machen wir uns nichts vor: nur einer kann Deutschland retten ? Dr. Helmut Kohl muss wieder Bundeskanzler werden. Schluss mit dem ganzen Reformquatsch. Alles wird wieder sein wie früher. Bitte unterstützen Sie diese Aktion und schreiben Sie höflich formulierte Briefe an die Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Frau Dr. Angela Merkel. Bringen sie darin ihre Sorge zum Ausdruck, dass die meisten Deutschen bald verhungern, wenn es so weitergeht. Beziehen Sie sich auf die gute alte Zeit und erinnern Sie Frau Merkel an die großen politischen Erfolge der Ära Kohl wie den Sieg im Finale der WM 1990 und die Zerschlagung des Warschauer Pakts. Fordern Sie Frau Merkel auf, ihrer historischen Verantwortung gerecht zu werden und zu Gunsten von Dr. Helmut Kohl auf die Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl 2006 zu verzichten.

Prima leben und sparen

Das Schöne an der Reform der Krankenkassen, die jetzt von den C-Parteien vorgeschlagen wurde, ist ja dieser Aspekt: Spitzenverdiener werden stärker an den Kosten des Gesundheitssystem beteiligt. Anfang Oktober berichtete der Spiegel von Berechnungen, nach denen der Unterschied beispielsweise bei Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, 44.000 EUR ausmachen würde. Pro Monat, Herr Ackermann. Da lohnt es sich ja richtig, 2006 mal die Sozis zu wählen. Und dann bitte wieder das Victory-Zeichen, wenn Schröder dranbleibt. Wir freuen uns drauf.

Sit down?

wc Hinsetzen oder stellen, diese und andere philosophische Fragen werden sicherlich auf dem Welt-Toilettengipfel in Peking besprochen. Wie genau die chinesische Klo Kultur ausschaut, wie hart oder weich dort Toilettenpapier ist, weiß ich nicht, aber schaut euch genau an wie eine japanische Toilette benutzt werden sollte -> How to use Japanese style toilet. Wer erinnert sich noch, wie das erste Mal auf einem französischen Stehabort war, Kulturschock, oder?

Schlafkultur

“Durch den Prozess der Zivilisation hat sich das Schlafen verändert, es wurde domestiziert und intimisiert.”, so der Zündfunk auf BR2. Ist das vielleicht auch der Grund warum ich in Deutschland kaum jemanden einen Mittagsschlaf am Arbeitsplatz machen sehe? Schätze, da können wir z.B. von den Japanern noch einiges lernen, die zieren sich nicht so mit Schlafen in der Öffentlichkeit. Das war auch eines der ersten Dinge, die mir in Tokyo (vom Flughafen in die Stadt mit der Bahn) aufgefallen sind.

Tränen lügen nicht

Durch die detaillierte Berichterstattung über die letzten Tage Jassir Arafats konnte die Öffentlichkeit endlich einmal aus nächster Nähe erleben, wie es ist, wenn jemand stirbt. Die Stationen sind: schlechter Zustand, Koma, noch tieferes Koma, angeblich tot, halb tot, tot mit intakten Organen, so gut wie tot. Jetzt endlich der Abschlussbericht: Arafat ist tot. Im Westjordanland hatten viele Palästinenser Tränen in den Augen und Beobachter fragten sich: sind sie wegen Arafat so traurig oder liegt es eher an den Tränengasgranaten der israelischen Armee?

Gen-Pflanzen von Gericht

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace darf Produkte des Milchkonzerns Müller nach einem Gerichtsurteil das Oberlandesgericht (OLG) Köln ab sofort wieder als “Gen-Milch” bezeichnen. Greenpeace will die Verbraucher damit darüber informieren, dass “im Futtertrog der Müller Milchkühe Gen-Pflanzen landen”, meldet Reuters. Aha. Gen-Pflanzen. Da hat man den Eindruck, Greenpeace erkennt nur die Spitze und übersieht dabei den Eisberg. Denn nicht nur die Pflanzen enthalten Gene, sondern auch die Kühe, von denen die Milch stammt. Und so geht es weiter, über den Gen-Fahrer des Milchlasters bis zur Gen-Kassiererin im Supermarkt. Daher, liebe Greenpeacer, empfehle ich euch, die Erde einfach komplett als “Gen-Welt” zu bezeichnen. Damit bringt ihr das Dilemma, dass alles Lebendige mit Genen verseucht ist, am besten zum Ausdruck. Und beim Oberlandesgericht Köln dürfte der Begriff auch ohne weitere Probleme durchgehen.

Kinderlos und Spaß dabei

Ab Januar 2005 zahlen kinderlose Bürger, die das 23. Lebensjahr vollendet haben, einen monatlichen Zuschlag in Höhe von 0,25% in die Pflegeversicherung. Da geht es zwar nur um kleine Beträge. Aber: wer mit 23 kinderlos ist, bleibt es ja nicht immer ein Leben lang. Bekommt man also erst mit 35 Kinder, hat man 12 Jahre Zuschlag bezahlt und zusätzlich den strapazierenden Nachwuchs an der Backe. Für alle Sparfüchse, die dennoch erstmal kinderlos bleiben wollen, hier noch der Geheimtipp: Wer Arbeits- und Kinderlosigkeit miteinander kombiniert, ist von dem Zuschlag nicht betroffen und kann so eine Menge Geld sparen.

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