Dunkle Bedrohung

Auch wenn man es nicht erwartet – auf den Websites der C-Parteien ein bisschen herumzusurfen, kann sich lohnen. Kleine Kostprobe:

Stern: Wie klingt folgender Satz in Ihren Ohren: „Es ist der Irak, der uns alle mit seinen Massenvernichtungswaffen bedroht“?
Angela Merkel: Das war die Einschätzung der Weltgemeinschaft. Bedrohungen muss man begegnen, deshalb gab es 17 UN-Resolutionen.
Stern: Der Satz stammt von Ihnen, aus dem Februar 2003. Und heute weiß man, dass es diese Bedrohung nicht gab. Sie haben in der Irak-Politik die deutsche Bevölkerung getäuscht.

Das ganze Interview

Post von Söder

Naja, nicht direkt von Dr. Söder selbst, sondern von Hans-Peter Trinkl, dem persönlichen Referenten des CSU-Generalsekretärs. „Die Homepage von Herrn Dr. Söder wird derzeit neu gestaltet. Bis dahin werden die Besucher auf csu.de umgeleitet“, schreibt Herr Trinkl auf Anfrage. So sind wir also gezwungen, woanders nachzulesen, was Markus Söder der Welt zu sagen hatte. Ein Beispiel: „Unsere Frauen machen Karriere. Sie fliegen Flugzeuge über den Atlantik. Sie steuern große Unternehmen. Sie boxen und sie spielen Fußball. Es gibt nur noch ein paar Hoheitsgebiete, in dem wir Männer die Hosen anhaben.“ Als ich diese Sätze aus der Söder-Feder noch einmal las, fiel mir auf: diesen Ich-seh-die-Welt-mit-Kinderaugen-Stil kenne ich doch irgendwoher. Genau so liest sich nämlich die Bild-Kolumne von Franz-Josef Wagner, dem zweifellos schlechtesten Journalisten im deutschen Sprachraum. Also Herr Söder, wenn es intellektuell für die Politik nicht mehr reichen sollte, dann versuchen Sie es doch mal bei der Bild-Zeitung, die suchen immer wieder mal jemanden.

Schuldenfalle

Mit 1400 Milliarden Euro sind die öffentlichen Haushalte in der Bundesrepublik verschuldet. Je nach Zinssatz müssen wir also etwa 30 bis 50 Milliarden Euro Zinsen jährlich für diese Kredite durch Steuergelder aufbringen. Ganz schön viel. Aber es gibt ja einen Ausweg: einfach noch mehr Schulden machen und davon die Zinsen bezahlen. Prima Idee. Und dann wieder wochenlang diskutieren: Steuern rauf! Ausgaben kappen! Sparen! Aber wo? Oder doch Steuern runter und mehr Schulden machen, damit die Konjunktur anspringt? Hauptsache, keiner kommt auf die Idee zu fragen, wo die 30 bis 50 Milliarden eigentlich landen, die uns so Jahr für Jahr verlorengehen.

Gastfreundschaft auf europäisch

Dass man die Gelegenheit ergreifen würde, George W. Bush während seiner Europareise dorthin zu bringen, wo er hingehört – nämlich vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag – damit war sicherlich nicht zu rechnen. Aber trotzdem. Wenn er schon mal da ist, hätte ihn ja wenigstens mal einer fragen können: „Na, Bushy, was gibt´s Neues auf Guantanamo?“ Nur so interessehalber. Hat aber keiner gemacht. Weder im alten noch im neuen Europa.

Näher am Menschen

Der coolste Blogger in der CSU ist mit Sicherheit Generalsekretär Markus Söder: „Mein Name ist Markus Söder, hier lernen Sie mich online kennen“ – so liest man es beim Betreten seiner Homepage, und das ist nicht zuviel versprochen. in der Rubrik Notizen bloggt Markus dann, was das Zeug hält, über Terror, Olympia, Dialysepatienten und natürlich Enzo, den besten Freund des Söders. Selbst Thomas Gsella hat das Potential erkannt und widmet sich in der aktuellen Titanic auf vier Seiten den literarischen Ergüssen des CSU-Topstars.

Museumsreif

„Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen“, sagte Daniel Bahr, der für die FDP im Bundestag sitzt, kürzlich der „Bild am Sonntag„. Deutschland gebe viel Geld aus, um sozial schwachen Familien zu helfen. Die Politik habe dagegen versagt, Akademiker bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu unterstützen. Wenn Hochschulabsolventinnen künftig mehr Kinder bekämen, stünde Deutschland auch bei der Pisa-Studie besser da, findet Daniel Bahr. Was soll man bloß mit solchen Leuten wie Ihnen machen, Herr Bahr? Naja, wenn man Ihren Lebenslauf so anschaut, nichts erlebt außer Schule, Dresdner Bank und FDP, das ist eigentlich schon Strafe genug. Vielleicht verstehen Sie ja selbst nicht, warum Sie so komische Sachen sagen müssen. Dabei ist es ganz einfach: egal was aus den „falschen“ Kindern mal wird, eines werden sie bestimmt nicht – und zwar FDP-Wähler. Und dann, wir können es kaum erwarten, kommt ihre komische Klientelpartei endlich dorthin, wo sie hingehört. Nämlich nach Unter den Linden ins Deutsche Historische Museum.