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Satirischer Wochenrückblick

Immer wieder gut: der satirische Wochenrückblick von Peter Zudeick vom WDR. Einen Überblick der aktuellen Folgen (jeweils etwa dreieinhalb Minuten lang) bietet der WDR hier. Das Ganze gibts natürlich auch als Podcast bei I-Tunes.

Alles neu macht der Mai

Die FDP hat sich in den letzten Wochen bekanntlich neuerfunden. Und fordert jetzt: Steuersenkungen! Cool. Da ist es wirklich nicht schwer vorauszusagen, dass Philipp Rösler uns in Kürze die “Strategie 18” als brandneues politisches Konzept präsentieren wird.

“Ich würd jetzt mal tippen… 6000 Euro!”

Dieser kleine Fauxpas der Frau “Dr.” Silvana Koch-Mehrin liegt zwar
schon etwas länger zurück, ist aber dennoch ein deutlicher Hinweis auf die finanzpolitische Kompentenz der FDP:

Da fühlen wir uns ja fast schon an “Dr.” Evil alias Mike Myers erinnert -
der verliert bei großen Zahlen auch mal leicht den Überblick.

Mehr Transparenz

Einen bemerkenswerten Vorschlag macht heute ein Kommentator der Tageszeitung Rheinpfalz:

Jetzt kann die Politik beweisen, dass sie wirklich etwas aus den Protesten gegen ‘Stuttgart 21′ gelernt hat. Die Arbeit der Ethikkommission zur Zukunft der Atomkraft sollte live im Fernsehen und im Internet übertragen werden. Schließlich ist das Thema ungleich gewichtiger als der Umbau eines Bahnhofs: Es geht um die Struktur der künftigen Energieversorgung Deutschlands.

(Über DLF-Presseschau)

Live-Ticker

Neuerdings berichten die deutschen Nachrichtenkanäle im Internet über jedes größere Ereignis mit einem “Live-Ticker” – Der Ägypten-Ticker wurde vom Fukushima-Ticker abgelöst, dieser vom Libyen-Ticker, und dieser wiederum vom – kein Witz – “Wahlfolgen-Ticker“. Nur konsequent, wenn die FAZ seit Kurzem auch historische Ticker, beispielsweise zum Bau der Cheops-Pyramide, zur Völkerwanderung und zur Entdeckung Amerikas anbietet.

Schicksalswahl

Am Wochenende finden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Landtagswahlen statt. Selbst die eher konservative und daher relativ regierungstreue Zeitung “Die Welt” prognostiziert Erstaunliches:

“Die Chance, dass am Sonntag eine Schicksalswahl das Ende der Ära Merkel-Westerwelle einleiten könnte, steht höher als 50 Prozent. Es gibt eine ganze Reihe Politiker in beiden Parteien, die der Spitze ziemlich verständnislos und mit wachsendem Zorn zuschauen. Bis zur Wahl wird sich niemand von ihnen äußern. So viel Loyalität ist selbstverständlich. Wenn aber Stefan Mappus in Stuttgart die Macht verliert, kommt in Berlin Angela Merkel ins Schwimmen. Dann wird es im Gebälk knacken, es werden Sicherungen knistern, und Leitungen werden Funken sprühen. Der ganze angestaute Unwille wird sich Bahn brechen. Es gibt in jeder Partei den Punkt, an dem die Bundestagsabgeordneten sagen: Wir können das dem Volk nicht mehr erklären. Dieser Punkt gerät für Angela Merkel und Guido Westerwelle in Sichtweite.”

(aus der Deutschlandfunk-Presseschau vom 22. März 2011)

Vermessung des Wohlstands

Der Bundestag hat Ende 2010 die Einsetzung einer Enquete-Kommission beschlossen, die sich der Frage widmet, wie Wohlstand und Lebensqualität gemessen werden können. Bisher galt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als das Maß der Dinge. Nun soll das Gremium einen neuen Indikator entwickeln, der das BIP ergänzt. Acht verschiedene Aspekte sollen dabei laut tagesschau.de zu einem Indikator zusammengefasst werden: der materielle Lebensstandard, die Qualität der Arbeit, die Verteilung von Wohlstand, der Zustand von Natur und Umwelt, die Chancen auf Bildung, die Lebenserwartung, die soziale Sicherung und die subjektiv empfundene Zufriedenheit der Deutschen.

Kühle Anwend

Ramsauer

Nachdem das deutsche Verkehrssystem problemlos mit dem harten Winter zurechtkommt, hat Verkehrsminister Ramsauer Zeit, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren – nämlich auf die Rettung der deutschen Sprache. “Als Patriot lege ich Wert darauf, daheim die eigene Muttersprache zu verwenden,” so Ramsauer – wohlgemerkt die eigene, nicht irgendeine x-beliebige Muttersprache. Deswegen ab sofort: “Tafelschreibblöcke” statt “Flipcharts”! “Mittagessen für bedeutende Personen” statt “VIP-Lunch”! Aber was ist mit dem “I-Phone”? “Ich-Fernsprecher”? Wird aus der “After-Work-Party” das “Nacharbeitsfest”? Aus der “Flatrate” die “Flachgebühr”? Und aus einer “coolen App” vielleicht eine “kühle Anwend”, Herr Ramsauer? Mann oh Mann. Mir san mir. Da passt das Attwenger-Lied “Kaklakariada” mal wieder wie die Faust aufs Auge:

Die Klankariadn dan se darauf konzentriern,
des Eigane dans feiern
und des Ondare negiern,
diese gonzn Patriotn,
nationale Idiotn,
bitte sads so guat und stöllts eich
in am Schwimmbod aufn Bodn,
und pinkelts bis zum Hois eich
olle gegenseitig on,
und dann tauchts nu amoi unta,
und dann nehmts an schluck davon,
und spuckts eich on damit solang
bis das eich schlecht is von der Kacke,
und wählen Sie die Nummer
neben ihrer Landesflagge.

Jahresrückblick

Immerhin hatte Deutschland 2010 die Chance, gleichzeitig den ESC und die FIFA-WM zu gewinnen – eine Konstellation, die sich aufgrund fehlender Talente hierzulande nur etwa alle 30 Jahre ergibt. Das werden wohl die meisten Schlagerexperten, Fussballfachleute und Astrologen nicht bestreiten.

Heißer Anti-Atom-Herbst 2010

Herbstaktionen

Im “Heißen Anti-Atom-Herbst” sollten die Aktivisten und Demonstranten im Eifer des Gefechts nicht vergessen, dass sie selbst auch aus Atomen bestehen – genau wie Windkrafträder, Solarzellen, Wasserkraftwerke und so gut wie alles andere, was sich im Universum befindet. Bei aller Sympathie: “Anti-Atom” ist Blödsinn, richtig muss es natürlich “Anti-Atomkraft” heißen.

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