Vom Kurs abgekommen

Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, durfte mit Papis Sonnenwagen mal Probefahren, kam aber mangels Navigationssystem vom Kurs ab und verbrannte im anschließenden Tiefflug ganze Ländereien. Ungefähr so ist es aus der griechischen Mythologie überliefert. Ähnlich Unerfreuliches erlebt Volkswagen mit dem Spitzenmodell Phaeton: das Auto ist ein Ladenhüter. „Wer will denn auch zehntausende von Euro für einen Wagen bezahlen, auf dem dick und breit das VW-Logo prangt“, fragt die Frankfurter Rundschau nicht ohne Spott. Um das Image endgültig zu ruinieren, zahlt Volkswagen jetzt den Händlern in den USA für jeden verkauften Phaeton 10000 USD Prämie. So locker sollte das Geld aber eigentlich nicht sitzen. Schließlich versucht der Konzern gleichzeitig, einen zweijährigen Verzicht der Belegschaft auf Lohn- und Gehaltssteigerungen aushandeln.

Say it in German

Kein Witz: Der (inzwischen abgesetzte) Sat-1 Werbeslogan „powered by emotion“ bedeute so viel wie „Kraft durch Freude“, glaubten einige Zuschauer. Die Kölner Namefinding-Agentur Endmark fand in einer Studie heraus, dass große Teile der werberelevanten Zielgruppe gar nicht verstehen, was die Konzerne ihnen mit den englischen Werbeslogans eigentlich mitteilen wollen. Das Douglas-Motto „Come in and find out“ wurde von 20 Prozent der Befragten mit „Komm herein und finde wieder heraus“ übersetzt. Da drängt sich der Gedanke auf: Schade, dass die Ergebnisse nicht nach West- und Ostdeutschland aufgeschlüsselt sind. Damit in Zukunft niemand mehr die wichtigen Botschaften verpasst, geht der Trend jetzt wieder zu deutschen Slogans wie „Sat 1 zeigts allen“, „Ich liebe es“ oder „Lidl ist billig“.

Hallo Herr Kaiser

„Die Zeit läuft“. „Jetzt Steuern sparen.“ So oder so ähnlich versuchen die Versicherer zur Zeit, ihre Kunden zum Abschluss einer Lebensversicherung zu bewegen. Denn steuerfreie Kapitalauszahlung gibt es nur noch für Verträge, die bis zum 31.12.04 abgeschlossen werden. Für die meisten lohnt es dennoch nicht, schnell eine Kapitallebensversicherung abzuschließen. Sagt die Stiftung Warentest. Und die ist doch irgendwie vertrauenswürdiger als Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer.

Beim Wachsen erwischt

Anke Engelke kann sehr lustig sein, aber bei Anke-Late-Night war sie es nur selten. Jetzt wird die Show abgesetzt. Der einzige, der mir fehlen wird, ist der Straßenreporter Karsten Dusse alias Wulf Assols. Mit seiner speziellen Interview-Technik gelingt es ihm regelmäßig, überraschende Einblicke in die Befindlichkeiten der Passanten zu erhalten. Einem stellte er die Frage: „Haben sie ihren Sohn schon einmal beim Wachsen erwischt?“ Antwort des Befragten: „Erwischt nicht, aber ich weiß, dass er es gemacht hat.“ Mehr dazu im Interview mit Dusse.

Mensch Knitterface

Wir wollen Sonne statt Reagan, sang der ansonsten vernunftbegabte Künstler Joseph Beuys 1982. Mensch Knitterface, hieß es da, der Film ist aus, nimm‘ die Raketen mit nach Haus! Das ganze Ausmaß des Desasters hier. Dieter Bohlen war damals noch zu klein, um Lieder zu schreiben, so dass bis dahin „Sonne statt Reagan“ wahrscheinlich den Tiefpunkt im deutschen Pop markierte. Wie schlecht das Stück wirklich war, ist nicht so leicht rauszukriegen, weil es natürlich in keiner noch so illegalen Tauschbörse zu finden ist. Zur Zeit kann man die Single („ungespielte Schallplatte“) bei Ebay kaufen, wenn man 25 EUR angemessen findet.