Verweigerungshaltung

alpahtronic

Von unserem Wirtschaftsminister sind wir ja schon allerhand Blödsinn gewöhnt. Dies allerdings überrascht dann doch: „Das Handy zu bedienen ist schon viel“, sagte Michael Glos während der IT-Messe Cebit. „Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.” Gestern erschien im Handelsblatt ein Artikel über die kollektive Ignoranz deutscher Entscheidungsträger gegenüber der digitalen Welt. Dort heißt es:

Deutschland dürfte die einzige Industrienation sein, in der Entscheider ihre Verweigerungshaltung gegenüber dem Netz so monstranzartig vor sich hertragen können, ohne kritisiert zu werden.

Und die Erklärung hierfür folgt ein paar Absätze später:

Dass die Netz-Verweigerer so leicht davonkommen, ist kein Wunder: Nirgends werten klassische Medien das Internet so ab wie hier zu Lande. So machte die „Süddeutsche Zeitung“ im Januar alle Besitzer von MP3-Musikspielern kollektiv zu Besitzern von Raubkopien. Im „Tagesspiegel“ darf der bekannte Publizist Henryk M. Broder feststellen: „Das Internet macht doof.“ Und in den „Tagesthemen“ sind es die „Herren der Handy-Videos“, die ohne jeden Filter „Filmchen ins Internet stellen“ – zum Beispiel von der Hinrichtung Saddam Husseins. Dass Blätter wie der „Stern“ oder „Focus“ die Bilder gerne nachdrucken, scheint kein Wort der Kritik wert. Die dürfen das. In solch einem Klima gedeiht sie gut, die Anti-Web-Haltung. Weder Politiker noch Manager müssen sich Sorgen machen, in den klassischen Medien an den Pranger gestellt zu werden ob ihrer Unwissenheit.

Bleibt nur die Frage: Wie sollen wir mit solchen Leuten in verantwortlichen Positionen den globalen Wettbewerb bestehen?

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