Guter Mittelweg

Eine repräsentative Studie in sieben Staaten des Nahen Ostens ergab, dass mehr als 65 Prozent aller Befragten die Türkei als ein Modell für ihr eigenes Land sehen. Dazu schreibt das Neue Deutschland:

Ministerpräsident Erdogan hat es geschafft, das westlich orientierte Militär politisch in die Schranken zu weisen, eine konservativ-religiöse, mit vielen Ländern des Nahen Ostens kompatible gesellschaftliche Grundhaltung durchzusetzen und gleichzeitig ein stabiles Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent hinzulegen.

Kein Wunder, dass die Türkei bereits als „Reform-Modell für die arabischen Staaten“ gehandelt wird.

Tödliche Schüsse

Nicht nur in den arabischen Staaten, sondern auch in Europa gab es im Januar Demonstrationen „gegen Korruption, Machtmissbrauch und Wahlfälschung“ – und zwar in der albanischen Hauptstadt Tirana. Dabei wurden offensichtlich auch Demonstranten getötet – allerdings war davon in den deutschen Medien nur sehr wenig zu hören und zu sehen.

Wind of Change

Wir drücken den Demonstranten in Ägypten und anderen arabischen Staaten natürlich die Daumen und hoffen, dass es ihnen gelingt, die weltweite Verbreitung von Demokratie und Pressefreiheit wieder ein Stück voranzubringen. Und gleich noch unser Apell an die Scorpions: egal, was passiert, bitte keine Neuauflage von „Wind of Change„.

Kühle Anwend

Ramsauer

Nachdem das deutsche Verkehrssystem problemlos mit dem harten Winter zurechtkommt, hat Verkehrsminister Ramsauer Zeit, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren – nämlich auf die Rettung der deutschen Sprache. „Als Patriot lege ich Wert darauf, daheim die eigene Muttersprache zu verwenden,“ so Ramsauer – wohlgemerkt die eigene, nicht irgendeine x-beliebige Muttersprache. Deswegen ab sofort: „Tafelschreibblöcke“ statt „Flipcharts“! „Mittagessen für bedeutende Personen“ statt „VIP-Lunch“! Aber was ist mit dem „I-Phone“? „Ich-Fernsprecher“? Wird aus der „After-Work-Party“ das „Nacharbeitsfest“? Aus der „Flatrate“ die „Flachgebühr“? Und aus einer „coolen App“ vielleicht eine „kühle Anwend“, Herr Ramsauer? Mann oh Mann. Mir san mir. Da passt das Attwenger-Lied „Kaklakariada“ mal wieder wie die Faust aufs Auge:

Die Klankariadn dan se darauf konzentriern,
des Eigane dans feiern
und des Ondare negiern,
diese gonzn Patriotn,
nationale Idiotn,
bitte sads so guat und stöllts eich
in am Schwimmbod aufn Bodn,
und pinkelts bis zum Hois eich
olle gegenseitig on,
und dann tauchts nu amoi unta,
und dann nehmts an schluck davon,
und spuckts eich on damit solang
bis das eich schlecht is von der Kacke,
und wählen Sie die Nummer
neben ihrer Landesflagge.

Die Psychologie des Alltags

quirkologie

Richard Wiseman ist Professor für Public Understanding of Psychology an der University of Hertfordshire. Er verdient sein Geld damit, herauszufinden wie man beim Trivial Pursuit mehr Punkte machen kann. Hört sich nach Traumjob an, oder?

Christoph Drösser hat mich auf die Spur von Wiseman gebracht und ich muß sagen sein Buch Quirkologie ist sehr unterhaltsam.

Wer also wissen will, ob der eigene Name einen Einfluss auf die Berufswahl hat, ob Sternzeichen wirklich den Charakter bestimmen oder Katholiken mehr spenden als andere, der findet dort Antworten.

.. und wer sich jetzt mit dem Zeigefinger seiner ‚dominanten‘ Hand ein Q auf die Stirn zeichnet, kann dort nachlesen was es bedeuten kann, in welche Richtung er den kleinen Schrägstrich schreibt.

Wenn Leute zuvor mit wenigen Worten einen Universitätsprofessor beschreiben sollen, können sie anschließend mehr Trivial Pursuit-Fragen richtig beantworten, als wenn sie einen Fußball-Hooligan beschrieben haben.
(Richard Wiseman, Quirkologie, ISBN: 9783596174836)