Himmelreich: 0 EUR (zzgl. Kosten für An- und Abreise)

230„Der Heller in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“, lautete ein Werbeslogan der Ablasshändler im 16. Jahrhundert. Heute ist der Weg in den Himmel einfacher und billiger: Vatikan-CEO Ratzinger hat per Dekret den Teilnehmern des Weltjugendtags von Köln den völligen Erlass jenseitiger Strafen in Aussicht gestellt. Nur die Reisekosten dorthin muss jeder selbst tragen – im Vergleich zu den hochpreisigen Ablassangeboten des Mittelalter ein echtes Schnäppchen. Vor Mißbrauch warnen wir jedoch ausdrücklich, denn: „Nur getaufte Katholiken im Stand der Gnade können einen Ablass erhalten. Um einen vollkommenen Ablass zu gewinnen, müssen sie außerdem frei von jeder Anhänglichkeit auch an lässlichen Sünden sein“, so steht es bei Wikipedia. Wenn man nur wüsste, was mit „Anhänglichkeit“ und „lässlichen Sünden“ gemeint ist. Ich fahr jedenfalls nicht extra nach Köln, nachher klappts dann nicht und meine Seele landet trotzdem im Fegefeuer.

Ende der Welt

Freitag, also morgen, ist das Ende meiner Arbeitswoche. Wie üblich werde ich gegen halb neun, neun im Auto sitzen und losfahren. Der erste Griff wird zum Radio gehen, Einschalten. Meistens ist Bayern 2 eingestellt und wenn ich rechtzeitig dran bin, wie letzten Freitag, hör‘ ich das Ende der Welt, die Glosse der radioWelt.
Und letzten Freitag hat’s mir besonders gut gefallen:

»Polizeiwillkür und Nacktbaden
Nikolaus Bellemann muss ein strenger und unangenehmer Zeitgenosse gewesen sein. Bellemann machte sich in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts im hessischen Flecken Rasdorf als Gendarm äußerst unbeliebt. Der Ordnungshüter wollte es so, dass in Rasdorf jeder landwirtschaftliche Wagen ein Schild trug, auf dem Name und Hausnummer des Besitzers deutlich zu lesen sein mussten. Bellemann überprüfte darselbst alle Schilder – zu Fuß und zu Pferde. Warum ihm das so wichtig war, wusste kein Mensch und es ging den Rasdorfern auch – gelinde gesagt – gehörig auf die Nerven. Die Legende sagt, Bellemann habe einmal in einem Wirtshaus heftig Keile bezogen. Angeblich wurde ihm aufgelauert, das Licht gelöscht und man stülpte dem eifrigen Polizisten einen Mantel über den Kopf. Was folgte, war eine ordentliche Tracht Prügel. Bellemann zog sich gekränkt ins Nachbardorf zurück – und kam nur noch zum Dienst nach Rasdorf. Was lernen wir daraus? Nicht überall wird es geschätzt, wenn die Polizei für Recht und Ordnung sorgt – auch wenn das laut Gesetz ihre Aufgabe ist. …
Womit wir im Jahre 2005 angelangt wären. Die Menschen sind, wie wir gelernt haben, empfindlich – und die Polizei treibt immer noch ihr Unwesen. So ist nun seit neuestem das Sonnenbaden im Adamskostüm am Strand der Isar nicht mehr erlaubt. Es wird bestraft mit bis zu 1 000 Euro Bußgeld. Wir ahnen bereits, welch vielfältiges Betätigungsfeld sich hieraus für die Ordnungshüter ergibt. Und wir ahnen auch, dass der eine oder andere Münchner davon nicht begeistert sein wird. Es könnte also sein, dass auch im Jahr 2005 mal wieder ein Polizist verprügelt wird, weil er sich in Dinge einmischt, die ihn – in den Augen seiner Mitmenschen – nichts angehen. Die andere Lösung wäre, dass die Münchner Polizei sich ein Beispiel am Hessen Bellemann nimmt, komplett ins nahe gelegene Freising zieht und nur noch zum Sonnenbaden in die Münchner Isarauen kommt.
von Jeanne Turczynski«
(ich weiß nicht wie lange der Text im Netz stehen wird, deshalb hier der Auszug)

Und wer das Ganze hören will kann sich das Ende der Welt als Podcast abonnieren.