Buntschießen

179Am 22. April 1915 gegen achtzehn Uhr bewegte sich in einer Breite von sechs Kilometern eine gelbgrüne Wolke aus Chlorgas langsam auf die französischen Stellungen in der Nähe der belgischen Stadt Ypern zu. Ersonnen und organisiert worden war dieser erste große Giftgaseinsatz von Fritz Haber, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Physikalische Chemie in Berlin. An diesem Tag sei der Terrorismus als Element des staatlichen Normalkrieges eingeführt worden, schreibt Peter Sloterdijk in seinem lesenswerten Buch Luftbeben. Giftgaseinsätze forderten im ersten Weltkrieg insgesamt 90000 Todesopfer. Die unheimliche wie demoralisierende Wirkung der Gase verdeutlichte den radikal neuen, Menschen zu Ungeziefer degradierenden Charakter des Maschinenkrieges, so Bernd Ulrich im Deutschlandfunk.

Honor Bound to Defend Freedom

Vor lauter Papst-Sterben lange nichts mehr gehört aus dem Erholungslager für feindliche Kombattanten auf Guantanamo-Bay. Bei 38 Personen, die dort festgehalten wurden, stellte sich kürzlich heraus, dass sie gar keine feindliche Kombattanten sind. Sie wurden freigelassen. Nach drei Jahren. „Honor bound to defend freedom“, heißt das Motto, „der Verteidigung der Freiheit verpflichtet“. Wenn man so ernste Pflichten zu erfüllen hat, da kommt es schon mal vor, dass man jemanden ein paar Jahre festhalten muss, der gar nichts Verbotenes gemacht hat.

April, April

Traditionell veröffentlichen Zeitungen am 1. April mehr oder weniger lustige Nachrichten, um ihre Leser damit in den April zu schicken. Weil ich zu faul zum suchen war, gab ich bei Google den Begriff „Aprilscherz“ ein – und fand keinen einzigen, weil in den entsprechenden Meldungen das Wort „Aprilscherz“ natürlich nicht vorkommt. Allerdings stieß ich auf ein paar interessante Nachrichten, bei denen extra dazu gesagt werden muss, dass es sich nicht um einen Aprilscherz handelt. Dazu gehört zum Beispiel die Email der BBC, in der Bob Marley um ein Interview gebeten wurde, die Wahl der Stadt Wetter zur Wetterstadt des Monats und die Beobachtung, dass Künstler immer ärmer werden.

Ladenöffnungszeiten

OBIHeute am Sonntag bin ich um ca. 10 Uhr hier in Shanghai aufgewacht, bin dann so langsam ins Bad und hab‘ ne Kleinigkeit gefrühstückt, um mich dann auf den Weg zum Carrefour zu machen, um einige Einkäufe für die Woche zu erledigen. Unter der Woche find‘ ich das zu stressig, da muß ich ja arbeiten. Und was soll ich sagen, das ist in China völlig selbstverständlich, am Wochende ist eigentlich viel mehr los als unter der Woche.
Sowas würde ich in Deutschland auch gerne haben und ich kann nicht verstehen warum das nicht gehen soll!

Global denken, lokal sprechen

Wofür brauchen wir eigentlich diese ganzen Anglizismen? Die deutsche Sprache stellt uns doch so elegante Worte wie „Listenstürmer“, „Staun-BH“, „Sprudelwanne“, „Haarpflegesprühnebel“ oder „fallweises Telefonieren“ zur Verfügung. Deutsche! Wisst ihr nicht, was „abgefuckt“, „Insidergeschäft“ oder „Callboy“ in eurer Muttersprache heißt? Na dann schaut einfach hier nach.