Regime Change

Wenn man den Medienberichten glauben darf: so ungefähr schaut die Truppe aus, die Deutschland ab Herbst aus der Krise führen will. Wir können es kaum noch erwarten.

Oben: Stoiber, Westerwelle, Merkel, Gerhardt, Beckstein.
Mitte: Koch, Bosbach, Schavan, Glos, Althaus.
Unten: Kauder, de Maizière, Lautenschläger, Müller, Pflüger.

Vive l’Europe!

Die Niederländer und die Franzosen haben bekanntlich mehrheitlich „nein“ gesagt zur EU-Verfassung. Jetzt sehen wir uns das Inhaltsverzeichnis der Verfassung an und rätseln, woran es gelegen hat. Fühlten sich die Niederländer vielleicht vom 30. Protokoll über die Sonderregelung für Grönland abgestoßen? Eventuell störte sie der Artikel III-152 über die Zusammenarbeit im Zollwesen? Sagten die Franzosen, „So nicht“, als sie Artikel III-232 lasen? Oder hatten schätzungsweise gut 90% der Wähler in Frankreich und den Niederlanden nicht den blassesten Schimmer, was in der Verfassung drinsteht und worüber sie überhaupt abstimmen?

Echte Menschen

Die Frage soll uns in Atem halten: wurde im Gefangenenlager auf Guantanamo der Koran „respektlos behandelt“, vielleicht sogar „geschändet“, „mißbraucht“ oder „ins Klo hinuntergespült“? Wie kann man einem leblosen Gegenstand nur so schreckliche Dinge antun? Viele Journalisten sind so schockiert, dass sie eines dabei ganz vergessen: es kommt doch überhaupt nicht darauf an, welche Schicksale Bücher in Guantanamo erleiden – sondern darauf, wie die Gefangenen behandelt werden. Die sind nämlich echte Menschen. Und wenn sie Verbrechen begangen haben, müssen sie vor ein Gericht gestellt und verurteilt werden. Andernfalls muss man sie freilassen.

Keine Chance

Alle Achtung: Gerhard Schröder hat rechtzeitig erkannt, dass die Nationalmannschaft bei der WM 2006 keine Chance auf den Titel hat. Deswegen entkoppeln die Sozis Bundestagswahlen und WM – ein längst überfälliger Akt für den Erhalt der Demokratie. Denn die Verzweiflung über das Versagen der Nationalmannschaft hätte die deutsche Bevölkerung möglicherweise dazu gebracht, irgendeinen Scharlatan zum Regierungschef zu wählen – wie zuletzt 1994.

Heuchelei und Blödsinn

So richtig begeistern lassen sich die Printmedien nicht für ein Verbot der Tabakwerbung. Irgendwie verständlich: denn so ein stimmungsvolles Bild aus Marlboro-Country auf der Rückseite einer Zeitschrift: das sieht nicht nur schön aus, sondern bringt dem Verlag auch ein paar Euro. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) kommentiert die „wirtschaftsfeindliche Politik“ der Bundesregierung mit einer Mischung aus Heuchelei und Blödsinn: Werbeverbote sind Denkverbote„. Und auch bei w+v sind keine vernünftigen Argumente für Tabakwerbung bekannt, außer: „Der jetzt drohende Verlust von Anzeigenumsätzen in Höhe von jährlich rund 40 Millionen Euro gefährdet rund 500 Arbeitsplätze bei den Verlagen“. Da könnte man glatt in die Luft gehen.