Echte Menschen

Die Frage soll uns in Atem halten: wurde im Gefangenenlager auf Guantanamo der Koran „respektlos behandelt“, vielleicht sogar „geschändet“, „mißbraucht“ oder „ins Klo hinuntergespült“? Wie kann man einem leblosen Gegenstand nur so schreckliche Dinge antun? Viele Journalisten sind so schockiert, dass sie eines dabei ganz vergessen: es kommt doch überhaupt nicht darauf an, welche Schicksale Bücher in Guantanamo erleiden – sondern darauf, wie die Gefangenen behandelt werden. Die sind nämlich echte Menschen. Und wenn sie Verbrechen begangen haben, müssen sie vor ein Gericht gestellt und verurteilt werden. Andernfalls muss man sie freilassen.

Life on Mars

An manchen Tagen passiert in der Welt nichts Wichtiges – zum Beispiel heute. Dann widmen wir uns eben den Themen, die sonst übersehen werden. Zum Beispiel den Plänen des neuen Nasa-Direktors Michael Griffin: Bei seiner ersten Pressekonferenz kündigte er an, dass für ihn die bemannte Raumfahrt zum Mond, zum Mars und zu noch weiter entfernten Zielen oberste Priorität habe. Was er allerdings verschwieg: wie die NASA ihre Jungs wieder zurückbringen will. Denn Leute zum Mars schicken, könnte schon klappen. Aber von dort aus zu starten, ist nicht so einfach. Der Mars zieht per Gravitation die Astronauten nämlich ziemlich stark an, wenn sie erst mal da sind. Und wenn sie nicht auf einen zufällig bereits vorhandenen Weltraumbahnhof stoßen – naja, dann gibt es sogar etwas länger als vorgesehen Leben auf dem Mars.

Honor Bound to Defend Freedom

Vor lauter Papst-Sterben lange nichts mehr gehört aus dem Erholungslager für feindliche Kombattanten auf Guantanamo-Bay. Bei 38 Personen, die dort festgehalten wurden, stellte sich kürzlich heraus, dass sie gar keine feindliche Kombattanten sind. Sie wurden freigelassen. Nach drei Jahren. „Honor bound to defend freedom“, heißt das Motto, „der Verteidigung der Freiheit verpflichtet“. Wenn man so ernste Pflichten zu erfüllen hat, da kommt es schon mal vor, dass man jemanden ein paar Jahre festhalten muss, der gar nichts Verbotenes gemacht hat.

Gastfreundschaft auf europäisch

Dass man die Gelegenheit ergreifen würde, George W. Bush während seiner Europareise dorthin zu bringen, wo er hingehört – nämlich vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag – damit war sicherlich nicht zu rechnen. Aber trotzdem. Wenn er schon mal da ist, hätte ihn ja wenigstens mal einer fragen können: „Na, Bushy, was gibt´s Neues auf Guantanamo?“ Nur so interessehalber. Hat aber keiner gemacht. Weder im alten noch im neuen Europa.

Just Say No

Von den Medien wird ja oft vernachlässigt, dass religiöser Fanatismus nicht nur im Nahen Osten zu finden ist. Immerhin berichtete die Welt vor einigen Jahren, dass 23 Prozent der Sekundarstufenlehrer in den USA ihren Schülern Abstinenz als einzig wirksame Methode zur Schwangerschaftsverhütung beibringen. Neben den offiziellen Websites der Abstinenzbefürworter wie Sexrespect stehen der Jugend der Vereinigten Staaten jedoch auch ergänzende Informationsangebote wie Sex is for Fags oder Iron Hymen zur Verfügung. Natürlich strikt nach Geschlechtern getrennt gibt es dort für Jungs wertvolle Tipps zur Sexvermeidung wie „Spending countless hours playing Halo 2, Doom 3 or Medal of Honor helps you focus on the important things in life, like computer-generated mass murder.“ In der Mädchen-Variante heißt es: „The stuff that comes out of boys every time they use you has as many calories as seven whole pints of Häagen-Dazs. That’s why all the girls who do ´it´ always get so fat and ugly.“ Jetzt können wir nur noch hoffen, die Kids merken, dass da irgendwas faul ist.